• Permakultur in der Landwirtschaft (I)

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    Ich frage mich seit langem wie sich Permakultur und Landwirtschaft miteinander verbinden können. In Europe und vor allen Dingen in Deutschland hängt die PK ja sehr stark an „Kleingärten“, irgendwo so zwischen Balkon, 200m2 Kleingarten und 2000m2 Großgarten. Aber nur selten, wenn nicht gar seltenst, sehe ich ein Bezug von PK zur grösserflächigen landwirtschaften Nutzung. Dass sich die beiden auch nicht 1:1 vertragen, ist auch ersichtlich. Schliesslich geht’s bei der PK um Begriffe wie low-input, vielseitig und vielfältig, kleinräumig… Das passt nun einfach nicht zu unserem (derzeitigen?) Denken über „die“ Landwirtschaft.

    Auf der anderen Seite denke ich dass wir wiederum nur dann wirklich was „Grösseres“ bewirken können, wenn wir aus den Gärten hinaus zu den Bauern gehen. Aber, so stelle ich mir dann immer wieder die Frage, wie soll das gehen? Wie soll eine Landwirtschaft aussehen die nach PK-Prinzipien arbeitet (und dennoch nicht nach einem Jahr Insolvenz anmelden muss… )? Vielleicht gibt’s hier unter den Lesern ja einige die da genauere Vorstellungen haben.

    Einige interessante Ansätze werden bei der Lebensgemeinschaft Tempelhof verfolgt. In diesem Artikel nun mal ein erster Hinweis drauf. Der Boden am Tempelhof ist sehr lehmig. Sehr lehmig, wirklich. Es kann so viele Tage regnen wie es will; nach vier Tagen Sonne springt der Boden auf so dass es aussieht wie in schlimmsten Zeiten in Afrika. Ausserdem gedeihen „Beikräuter“ in Massen dass man denken könnte sie würden hier angebaut werden.

    Nun werden die Äcker dick gemulcht, entweder mit frischem Grün, direkt von der Wiese, oder mit Heu. Dies, das wissen wir von der PK im Garten, hat verschieden Vorteile („Funktionen“): Es bedeckt den Boden, was z.B. die Evaporation (Verdunstung) abschwächt, was wiederum dazu führt dass der Boden länger feucht bleibt; es schützt den Boden vor starken Regenfällen, die die Oberfläche stark verschlämmen können; es bietet Spinnen und Käfern Lebensraum; es verbessert mit der Zeit die Bodenqualität, da ja das Material mit der Zeit vom immer aktiver werdenden Bodenleben abgebaut und in den Boden eingebracht wird; was wiederum die Wasserhaltekapazität des Bodens erhöht (1% mehr Humus lässt die Wasserhaltekapazität verdoppeln!), …

    Nun wird dies hier, siehe Bilder oben im Vergleich, in diesem Jahr noch manuell, nach dem Pflanzen gemacht, oft auch erst nach einem ersten Hacken. Dies erfordert viel Kraft, Aufwand, Zeit. Die Hoffnung ist im nächsten Jahr erst einmal dick zu mulchen, um dann mit einem entsprechenden Gerät eine Rille zu ziehen in die dann gepflanzt wird.

    Posted on Juli 15, 2013

2 Responsesso far.

  1. Daniela sagt:

    Warum muss man denn immer alles im großen Maßstab machen, um Großes zu bewirken. Ist nicht genau das der Grund, warum es uns heute so schlecht geht?

    Ich bin der Meinung, dass es viel effizienter wäre, wenn es unzählige kleine bis mittelgroße Gärten oder Gartengemeinschaften und Höfe gäbe, die dann ihre Überschüsse austauschen und weiter geben. Damit bräuchte man dann schon keine industrielle Landwirtschaft mehr. Höchstens Bauernhöfe und wenn die sich der PK schon mal annähern (ich erinnere mich da an den Beitrag über „30 Jahre Humusaufbau“), wäre schon viel gewonnen.

    In Russland werden mehr als 50% des Lebensmittelbedarfs von privaten Leuten gedeckt. Dort hat jeder Anspruch auf ein Stück Land. Ich weiß nicht mehr genau, wie das war, da ich leider den Bericht nicht mehr finde, aber es klang sehr vielversprechend.

  2. Stefan sagt:

    Hallo Daniela,

    ja, es muß nicht immer groß sein, da stimme ich dir überein. Und weltweit gesehen wird der Großteil der landwirtschaftliche Produktion ja sowie von vielen kleinen „Höfen“ erwirtschaftet, da ja in Afrika, Asien und auch Südamerika Subsistenzwirschaft vorherrscht. Hier sehe ich auch ein Riesenpotential für die Permakultur.

    Und ich denke auch dass in Europa und Nordamerika die Höfe kleiner werden sollten, und vielleicht (hoffentlich?) auch werden mit dann (evtl. rapide) steigenden Energiekosten. Das heisst aber eben auch dass mehr Menschen wieder, wie noch vor 50 Jahren, in der „Nahrungsmittelbeschaffung“ arbeiten müssen.

    Ich habe noch wenig Daten darüber inwieweit sich Städte durch kleine und Gemeinschaftsgärten selbst ernähren könnten. Aber ich denke dass ein Selbstversorgungsgrad kaum über die 10% kommen wird, ausser vielleicht in Städten wo’s viele Parks und Dachterrassen gibt. Wäre mal ein interessantes Thema für eine Studie.

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