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Buch: Growing a Revolution. David Montgomery

Screen Shot 2017-07-27 at 08.00.29David Montgomery, bekannt geworden durch sein Buch absolut lesenswertes Buch „Dreck. Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert„, welches in die landwirtschaftlich-zivilisatorischen Abgründe schaut, hat nun ein Werk publiziert – „Growing a Revolution“ (Amazon, Buch7) , welches aufzeigt dass ein Zusammenbruch auch unserer Zivilisation aufgrund von Bodenverlust nicht unbedingt passieren muss. Vom Saulus zum Paulus, oder eher vom Frustrierten zum positiv-in-die-Zukunft-Schauenden hat sich Montgomery in den letzten Jahren entwickelt. Auf verschiedenen Reisen v.a. in den USA, aber auch in Afrika, hat er Bauern besucht, die Landwirtschaft anders betreiben, weil sie das Problem Bodenerosion verstehen, weil sie den Boden als eine (Lebens)wichtige Ressource sehen, weil sie erkannt haben wie wichtig ein lebendiger Boden für ihre Kulturen sind, und sie sich viel Geld mit einem entsprechenden Umgang sparen können. Wirklich beeindruckend sind die Geschichten von Bauern, die ihre Humusanteile im Boden von unter 2% auf 6-8% erhöht haben, Wasserversickerungsraten damit geschafft haben, die sich keiner vorstellen kann, damit auch Trockenzeiten überstehen wo jeder konventionell wirtschaftende Nachbar neidisch rüber blickt, und dabei Hunderttausende von Dollar spart. Absolut lesenswert, wenn man verstehen will wie eine andere, zukunftsfähigere Form der Landwirtschaft (»Bodenberarbeitung«) aussehen kann.

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Artikel & Interview: Auf gutem Grund

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Interessanter Artikel im Kölner-Stadt-Anzeiger Magazin: Auf gutem Grund. Ein Bericht über das (Permakultur-in-spe) Projekt Schloss Türnich und ein Interview mit mir:

Herr Schwarzer, was ist Boden für Sie?
Ein lebendiger Organismus. Eine Mischung aus totem Gestein und Lebendigem. Erst die Lebewesen machen den Boden zu Bo- den. Dass er beseelt ist, voll von Leben, diesen so wichtigen Punkt haben wir in den vergangenen 50 Jahren völlig vernachlässigt. Man kann das Leben im Boden, abgesehen vom Regenwurm, ja nur unter dem Mikroskop sehen. Wir mussten uns auch gar nicht damit beschäftigen, was lebendigen Boden eigentlich ausmacht, weil wir Pflanzen mit chemischem Dünger zwangsernähren konn- ten.AberlangsamfindeteinParadigmenwechselstatt.Wirfangen endlich an, Boden anders zu betrachten.

Warum ist es so wichtig, fruchtbaren Boden zu erhalten, wenn wir offenbar mit künstlichem Dünger gut zurecht gekommen sind?
Pflanzen sind in ihrer Entwicklungsgeschichte schon ganz früh Verbindungen eingegangen mit Pilzen und Bakterien im Boden. Die „Zusammenarbeit“ mit den Pilzen findet nur statt ohne künst- liche Ernährung. Während Kunstdünger eine gewisse Bandbreite an Nährstoffen kurzfristig zur Verfügung stellt – bis zu 50 Prozent dieser Nährstoffe werden von der Pflanze gar nicht aufgenommen und landen im Grundwasser – sind es nicht unbedingt die, die die Pflanze gerade benötigt. Das komplexe Zusammenspiel von Pflanze, Pilzen und Bakterien sowie die Bildung von Humus er- lauben es der Pflanze zu jedem Zeitpunkt auf die Stoffe zurückzu- greifen, die sie gerade braucht. Und ermöglicht ihr, auch in Tro- ckenzeiten an Wasser zu kommen, über die Pilzfäden, auf die sie sonst nicht zugreifen kann. Chemischer Dünger, Pestizide sowie Pflügen zerstören dieses natürliche Zusammenspiel.

Warum ist der Boden ein Klimasünder, wie Sie in Ihrem Buch „Die Humusrevolution“ schreiben?
Humus, also fruchtbare Erde mit einem hohen Anteil an organi- schem Material, besteht ja zu fast 60 Prozent aus Kohlenstoff. Ein guter Teil des Kohlendioxids, welches in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten in der Luft gelandet ist, stammt nicht nur aus der Verbrennung von Erdöl oder Kohle. Sondern aus der Verände- rung der Landschaft und den Bearbeitungsmethoden, die wir in der industriellen Landwirtschaft nutzen: Beim Pflügen zum Bei- spiel gelangt Humus an die Luft, und der darin enthaltene Kohlen- stoff oxidiert. Das heißt, er geht eine Verbindung mit Sauerstoff ein, wird zu CO2 und entweicht in die Luft. Rund ein Drittel des Kohlenstoffs,welcherdurchdieMenschheitseitderindustriellen Revolution bis 1980 der Atmosphäre hinzugefügt wurde, stammt vom Pflügen unserer Felder.

Dennoch sagen Sie, mit Hilfe von Humus könnten wir den Klima- wandel stoppen. Ist das nicht widersprüchlich?
Nein. Weil wir diesen Effekt, der vor allen Dingen durch die Inten- sivierung der Landwirtschaft eine andere Dimension angenom- men hat, auch wieder rückgängig machen können. Wir können das CO2 aus der Luft durch Humus wieder in den Boden bringen und somit zu einer positiven Veränderung beitragen. Und zwar indirekt, durch die Pflanzen, die Photosynthese betreiben, und dafür CO2 aus der Luft nehmen und damit Kohlenstoff in Form von Zucker produ- zieren und ihn wieder in den Boden pumpen. Dort bleibt er, sofern wir ihn nicht durch Pflügen wieder in die Luft bringen.

Wie kann das gelingen?
Ständige Bodenbedeckung ist ein wichtiger Schritt. Die Äcker dürfen nicht brachliegen. Wir brauchen Pflanzen, die den Kohlenstoff akku- mulieren, und müssen dem Boden Kompost und Mikroorganismus zu- führen, die ihn zum Leben erwecken und der Pflanze helfen, ihre Auf- gabe zu erfüllen. Das Ziel ist eine pfluglose Landwirtschaft. Und Äcker, die ständig bedeckt sind von Pflanzen, die entweder zur Ernte da sind oder dem Boden helfen, lebendig zu bleiben, was wiederum da- bei hilft, dass die nächste Kultur besser wächst. Und als dritter wichti- ger Punkt ständiger Fruchtwechsel.

Humus hat aber noch weitere wichtige Funktionen. Welche?
Humus birgt viele Nährstoffe für die Pflanzen. Außerdem ist er ein gro- ßer Wasserspeicher. Ein Prozent mehr Humus im Boden auf einen Hektar gerechnet kann 160000 Liter Wasser zusätzlich speichern. In Zeiten des Klimawandels, wo wir schon jetzt aber noch mehr in Zu- kunft mit längeren Trockenperioden zurecht kommen müssen, ist dies ein wichtiger Faktor. Mehr Humus führt so außerdem dazu, dass wir weniger Überschwemmungen haben, da der Boden ja wieder vermehrt größere Mengen an Regenwasser speichern kann. Er sorgt außerdem dafür, dass wertvoller Boden erhalten bleibt, der sonst vom Acker weg- gespült wird und in die Bäche und Flüsse verschwindet.
Wenn durch unsere Art der Landwirtschaft stetig Boden verschwindet, verlieren wir dann irgendwann nicht den Boden unter unseren Füßen? Eine britische Bauernzeitschrift betitelte letztens einen Artikel mit: „Wir haben noch Boden für 60 Ernten“. Es ist ein Thema, das von der gesamten Gesellschaft völlig unterschätzt wird. Das Buch „Dreck“ von David Montgomery sollte jeder gelesen haben. Es macht deutlich, wie die Landwirtschaft dazu geführt hat, dass Zivilisationen fast we- gen der damit verbundenen Bodenerosion zusammengebrochen sind.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Als das römische Reich 400 vor Christus langsam anfing zu wachsen, galt Italien als das Land, in dem Milch und Honig floss, mit unglaub- lich fruchtbaren Ländereien. 400 Jahre nach Christus herrschte in Ita- lien dann das Bild vor, das wir auch heute noch haben. Da wächst Wein und da wachsen Oliven, also Pflanzen, die vor allem auf kargem, stei- nigem Boden gedeihen. Weswegen die Römer letztendlich in Tunesien und Libyen einmarschiert sind, um diese Länder als Kornkammer zu benutzen, weil sie nämlich zu Hause – aufgrund des Verlustes an Län- dereien – nicht mehr genügend produzieren konnten.

Auch Deutschland ist heute abhängig von Agrarflächen im Ausland.
Genau, vor dem gleichen Problem stehen wir heute. Fast 50 Prozent der Lebensmittel für Europa kommen von außerhalb Europas. Wir gehen woandershin, um dort zu produzieren, weil hier bei uns nicht mehr ge- nügend hergestellt werden kann.

Was kann denn jeder von uns tun?
Sich überlegen, welche Produkte er einkauft und wo er sie kauft. Zum lokalen Landwirt gehen und fragen: Wie siehst du das mit CO2 und Kli- maveränderung? Wer Bioprodukte kauft, hat schon einen guten Schritt getan. Auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon kann jeder etwas tun, indem er den Boden nicht umgräbt und für gute Kompostierung sorgt.

Das Gespräch führte Jasmin Krsteski

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Präsentation: Humus – the essential ingredient. Graeme Sait

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Die Klimakrise stoppen – wie sollte das noch gehen? Ehrlich! In dieser Hinsicht bin ich ja Klimaskeptiker, als dass ich der Überzeugung bin, dass wir den Tanker schon zu lange und mit zu hoher Geschwindigkeit fahren, als dass wir seinen Kurs noch gravierend verändern könnten. Graeme Sait in seiner Präsentation nennt dazu auch eine Zahl: Selbst wenn wir morgen alle CO2-Emissionen einstellen würden, dann wäre in 200 Jahren die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre immer noch so hoch wie 1975. Und damit weiterhin viel zu hoch. Und das wäre, wenn wir morgen… Vielleicht sind wir in 50 Jahren bei -80%. Vielleicht…
Auch interessant: 476 Milliarden Tonnen CO2, die ursprünglich im Boden (also diesem meist krümeligen Gemisch aus Ton, Schluff und Lehm plus organischen Anteilen) waren, sind durch die Landwirtschaft in der Atmosphäre gewandert. Im Vergleich dazu machen sich die 250 Milliarden Tonnen, die durch die Verbrennung von Kohle und Erdöl in die Luft gepustet wurden, doch noch relativ klein aus.
50% aller der Menschen gemachten CO2 Emissionen haben die Ozeane absorbiert. Mit zukünftig verheerenden Folgen: Graeme Sait benennt diese Problematik als ernster und dringlicher als die Klimaveränderung! Denn durch das CO2 wird der Ozean saurer. Und das hat Auswirkungen auf z.B. die Korallen (was viele mittlerweile wissen), aber auch auf das Phytoplankton, welches wiederum 50% des Sauerstoff produzieren, den wir einatmen.
Ach so, bevor ich es vergesse: Es gäbe da vielleicht eine Lösung. Und das wäre der Aufbau von Humus. Mit einer veränderten Bearbeitung unserer Böden – wenn dies eine globale Aktion wäre – könnten wir es vielleicht schaffen, grosse Teile des CO2’s aus der Atmosphäre zu ziehen und diese im Boden zu binden. Darin sind sich viele Wissenschaftler einig (mehr dazu in den nächsten Wochen hier). Worauf warten noch?!

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Cows, Carbon and Climate. Joel Salatin

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Mal wieder Joel Salatin. Ein begnadeter Redner, aber eben auch ein begnadeter Landwirt. Was der auf seiner Farm Polyfaces schon so alles gemacht hat… Es gibt weltweit wenig Beispiele, die besser aufzeigen wie eine „Aufbauende Landwirtschaft“ geschehen kann. Stichworte dazu: Mobgrazing, Holistisches Weidemanagement, Keyline-Design, Permakultur. Vielfalt, lokal produzieren und verkaufen, Käuferbindung, Direktvermarktung. Klasse, was der Typ und seine Family so alles machen.
Und immer wieder die Frage: Welchen Beitrag können Kühe zur Regeneration von Landschaften leisten? Und zum Einbringen von Kohlenstoff in den Boden, zum Humusaufbau? Cows, Carbon and Climate. Joel Salatin

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Die Spatenprobe – Beurteilung des Bodens

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Boden – diese so arg vernachlässigte, kaum erneuerbare Ressource. Wie kann man ihn untersuchen und beurteilen? Und was macht der Unterschied „mit Pflug bearbeiten“ und „pfluglos“ aus? Ein Schweizer Bodenkundler zeigt anschaulich anhand verschiedener Spatenproben, was für uns alle (Konsumenten und Entscheider) so wichtig ist zu verstehen.

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Buch: Terra Preta. Die schwarze Revolution aus dem Regenwald. Ute Scheub

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Eine lesenswerte Übersicht zum (breit aufgefächerten) Thema Terra Preta hat Ute Scheub in ihrem Buch „Terra Preta. Die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ zusammengefasst. Ausgehend von der derzeitigen Problematik der industriellen Landwirtschaft (v.a. in Hinsicht auf den Bodenverlust), stellt Frau Scheub die Entdeckung und Entwicklung der Schwarzen Erde, wie sie im Amazonas entdeckt wurde, vor, und zeigt auf welches Potential die Verwendung von Pflanzenkohle (in Verbindung mit Kompost, EM, Urin usw.) hat. Sehr schön zu lesen, flüssig geschrieben, mit interessanten Fakten und Zahlen gespickt, ist dieses Buch sicher ein gutes Aufklärungswerk. Das Wie? der Herstellung von Pflanzenkohle kommt dann aber doch nur sehr kurz vor, ohne Anleitungen – Schade. Auch bin ich mir nicht ganz sicher ob der Hype gerechtfertigt ist, da es noch sehr wenige wissenschaftliche Untersuchungen zu den Effekten gibt; und unklar bleibt mir auch noch wo das ganze Material herkommen soll, was wir dann zu Pflanzenkohle verarbeiten bzw. in wieweit da Konkurrenz zwischen Generierung von Pflanzenkohle, Kompost, Wärmegewinnung u.a. eine Rolle spielen. Vielleicht haben da andere noch harte Fakten zu… Ingesamt ein sicher empfehlenswertes Buch, was zum einen nachdenklich macht über unsere derzeitige Situation und unserem Umgehen mit Erde, Landwirtschaft, Nahrungsmitteln und Konsum – und zum anderen auch Hoffnung gibt, dass es sinnvolle Lösungen gibt, wenn wir sie denn nutzen.

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Ithaka, Kon-tiki und Terra Preta

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Für die Terra-Preta Fans, und solche die es werden wollen, hier ein Link zum Ithaka-Journal. Entstanden in einer Zusammenarbeit mit Delinat, einem Bio-Wein-Versandhandel (mit ziemlich hohem ökologischen Anspruch), forscht v.a. Hans-Peter Schmidt dort mit Pflanzenkohle im Weinberg, und seit einigen Jahren zunehmend in Nepal. Obwohl ich selbst dem Terra-Preta-Hype etwas reserviert gegenüber stehe, scheinen mir seine Untersuchungen, Anwendungen Entwicklungen sehr interessant und lesenswert zu sein. Einfach mal reinschauen.

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Doku: Soil Carbon Cowboys

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Die Welt retten – d.h. u.a. die Klimaveränderung stoppen – und gleichzeitig bessere Ernten einfahren. Unter diesem Motto bewegt sich ziemlich viel im englisch-sprachigen Raum, unter dem Begriff des Carbon Farming. Auch Regenrative Agriculture hat einen ziemlich Schwerpunkt darauf – vielleicht weil sich das momentan so gut verkaufen lässt. In jedem Fall: Was so manche Menschen (z.B. Allan Savory) seit Jahrzehnten predigen, das scheint sich so langsam durchzusetzen. Naja, durchsetzen ist da sicher doch nicht das richtige Wort. In dieser kurzen Doku jedenfalls berichten ein paar Farmer in den USA über ihre Erfahrungen im Dreieck Mensch, Tier und Boden. Und diese Erfahrungen sind richtig, richtig, richtig gut!

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Werden unsere Enkel noch satt? Vor-Symposium „Zukunftsfähige Landwirtschaft“ am Schloss Tempelhof

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Konzentration auf die Zukunft des Ackers: 17 Teilnehmer aus ganz Deutschland und aus unterschiedlichen Berufen – Landwirte, Gärtner, Wissenschaftler, Permakultur-Designer, Umweltdaten-Experten, Geografen, Wirtschaftsinformatiker – planten im Januar am Tempelhof das Symposium „Zukunftsfähige Landwirtschaft“, welches erstmalig Anfang 2017 stattfinden soll.

Forschend und kreativ ging es in diesem vorbereitenden Arbeitstreffen zu: Können wir die Natursysteme morgen, trotz landwirtschaftlicher Nutzung, stabiler, regenerativer machen? Welche Methoden und Werkzeuge können wir zur Gestaltung und Umsetzung solcher Landschaften nutzen? Wie lassen sich diese Maßnahmen ökologisch, ästhetisch und ökonomisch sinnvoll planen?

In Seminaren, Impulsvorträgen und World Café-Runden kamen alle zu Wort, Themen wie lebendiger Boden und Humusaufbau, Wasser- und Weidemanagement, Agroforstwirtschaft, mehrjährige Gemüsesorten sowie soziale und ökonomische Aspekte der Landwirtschaft, z.B. Direktvermarktung und Solidarische Landwirtschaft, standen im Mittelpunkt. Die erklärten Ziele des Symposiums: „Uns ist es wichtig, ganzheitlich, holistisch die Bedingungen und vor allem die Möglichkeiten zur Gestaltung einer enkeltauglichen Landwirtschaft zu diskutieren. Es gilt ja, von der Natur und den natürlichen, wirklich nachhaltigen Systemen zu lernen. Wir sollten, ganz im Sinne der Permakultur, diese Erkenntnisse integrieren und weitergeben“, so Stefan Schwarzer, Initiator der Veranstaltung und Mitglied der Gemeinschaft Schloss Tempelhof. Mit Ausblick auf das Symposium nächstes Jahr wünscht er sich, „zusammen mit 50-100 Landwirten und Gärtnern im offenen Umgang und mit vielfältigen Präsentationsformaten an Möglichkeiten einer erhaltenden, regenerativen und wiederaufbauenden Landwirtschaft zu arbeiten“. Wir freuen uns auf dieses Zusammenwirken für unsere Zukunft!

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Wie Kühe die Welt retten können. Allan Savory

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Zu den, für die meisten von uns, recht konträr erscheinenden Ansichten von Allan Savory habe ich hier ja schon verlinkt. Dass die Verschlechterung (Degradierung) der Böden, der Versteppung und Verwüstung ursächlich von zu hoher Beweidung herrührt, und deswegen eine geringere Dichte von Tiere sinnvoll ist und damit zu einer Ruhe und damit Verbesserung der Böden führt – das ist allgemein anerkannt. Nun, dem widerspricht ja Allen Savory ganz klar; und, so wie es seine Untersuchungen und Versuche zeigen, zu recht. Nach dem Vorbild der Natur – Bison-, Gnu-, Zebraherden, die dicht gerdrängt in kurzer Zeit über die Steppe ziehen -, so hat er im gleichen Stile Rinder grasen lassen (dicht gedrängt, jeden Tag weiter ziehend, anstatt auf grosser Fläche wochenlang sich selbst verteilend), und dabei fest gestellt, dass sich der Boden innerhalb kürzester Zeit regeneriert, verbessert, die Vegetation dichter wird, vielfältiger, besser wächst. Interessant, nicht wahr?

Hierzu ein Artikel von ihm: Kühe können die Welt retten (englisch). (Hier als PDF.)

Having trained thousands of officials in policy development, I’ve learned that there is only one reason policies are developed and that is to address a perceived or actual problem.

In more than 60 years of research, neither I nor any collaborating scientists have found any evidence to support the idea that controlling livestock numbers prevents desertification.

The first wicked problem is that organizations are not able to adopt new counter-intuitive scientific insights ahead of public opinion. No amount of data, proof, evidence, money spent, or how many people dying will bring about institutional change until a significant level of public opinion changes.

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Permakultur-Konzept Landwirtschaft, Schloss Tempelhof

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Ist zwar schon eine kleine Weile wieder her, aber für die, die es interessiert: Wir, hier am Tempelhof, sind ja sehr daran interessiert, die Landwirtschaft in Richtung „regenerativ“ und „zukunftsfähig“ zu entwickeln. Als Teil meiner Ausbildung zum Permakultur-Designer habe ich versucht den Bereich „Landwirtschaft“ bei uns hier zu analysieren, und mögliche Veränderungen zu sehen. Einiges davon kann auf der Karte oben gesehen werden; anderes (wie pfluglose Bodenbearbeitung oder Holistischen Weidemanagement) sind natürlich kartografisch nicht darstellbar. Hier in meiner Doku gibt’s dazu mehr. Der Weg ist weit… 🙂 … aber machbar. Aber klar ist auch: Dazu braucht es grundlegende strukturelle Veränderungen. Ein Bauer der 100 Hektar bewirtschaftet: Das kann, in meiner Vorstellung, nicht zukunftsfähig und regenerativ realisiert werden. Dies zu erreichen, geht nur mit viel Handarbeit, in Mischkultur, Boden-schonend, Boden-aufbauend… Das Bild vom Bauern muss sich genauso wandeln wie das Bild welches sich der Konsument über die Nahrungsmittelproduktion/-beschaffung macht: Hand anlegen ist angesagt. Die CSA-Betriebe machen es vor.

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Verlieren wir den Boden unter den Füßen?

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Urs Mauk, studierter Landwirt am Tempelhof und Stefan Schwarzer, passionierter Permakulturist und Genosse in der Gemeinschaft Schloss Tempelhof, erlauben uns einen kritischen und sorgenvollen Einblick in die Welt unseres Ackerbodens, der Landwirtschaft und unseres Klimas. Unser zufällig entstandenes Gespräch reißt viele Themen an und gibt Denkanstöße, die wir euch nicht vorenthalten wollten. Wir haben beschlossen, daraus eine Informationsreihe zu landwirtschaftlichen Themen wachsen zu lassen. In den kommenden Newslettern möchten wir vertieft auf einzelne Gesprächsbausteine eingehen. Hier ist der Anfang gemacht…

Stefanie: Hallo Stef, hallo Urs, gerade gingen wir über unsere Wiese, die nun eher einer Grabenlandschaft gleicht. Haben wir es nach dieser Dürre in diesem Sommer mit einer Verwüstung unserer Böden zu tun?

Stef: Dieses Jahr 2015 war (und ist noch) ein extrem trockenes und warmes Jahr, das sich mit ziemlicher Sicherheit unter die Top 3 der heißesten Jahre seit Beginn der Messungen einreihen wird. Aber was verstehen wir eigentlich unter Dürre? Noch haben wir in unserer Region, zumindest im Winter, ausreichend Niederschlag, um die Grundwasserspeicher wieder aufzufüllen. Die Pflanzen verdorren kaum. Sie wachsen nur nicht, es grünt bei uns immer wieder. Jedoch werden die saisonale Verteilung des Niederschlages und unser Umgang mit diesem für uns zu einem wichtigen Thema werden. Wir müssen klimatische Extreme, wie Trockenheit und heftige Regenfälle, vermehrt abpuffern und unsere Resilienz vor allem in Bezug auf Wasserknappheit erhöhen. Was wir in dieser zerfurchten Wiese zunächst sehen, ist die Verklumpung des Bodens – der bei uns sehr tonig und lehmig ist – durch den natürlichen Vorgang des Austrocknens. Der Boden zieht sich zusammen, es entstehen hier bis zu 50cm tiefe Gräben. Ein Problem ist, dass unter diesen Umständen Pflanzenwurzeln in den harten Klumpen kaum mehr durchdringen können. Da kommt das Leben dann erst einmal zum Stillstand. Erst wenn es mal wieder über mehrere Tage regnet, werden sich die Gräben schließen.

Urs: Unsere Landwirtschaft am Tempelhof macht sich seit Längerem Gedanken zur Wasserverfügbarkeit und Aufbau und Verbesserung unseres Bodens. Bevor wir hierher zogen, wurde auf den Böden jahrzehntelang Monokultur betrieben mit einem wenig abwechslungsreichen Bewuchs. Nun zeigt der sehr tonige Boden deutliche Defizite, z.B. in seiner chemischen Zusammensetzung, seiner Struktur und Wasserstabilität und vor allem in der Quantität des Humus bzw. der organischen Masse. Im Moment erodiert er leicht durch Wind und den Abfluss des Oberflächenwassers aufgrund der intensiven Bearbeitung und seiner geringen Bedeckung. Die heute üblichen Praktiken der konventionellen aber auch biologischen Landwirtschaft greifen sehr stark in den Boden ein, wodurch seine Fähigkeit, Wasser aufzunehmen, leidet. Sichtbar war dies beim letzten Regen – der kleine Bach, der durch unser Grundstück fließt, war braun. Ein warnendes Zeichen für ausgespülte Bodenteilchen und Mineralien.

Stefanie: Die natürliche Fruchtbarkeit der Böden in Europa ist gesunken. Hochleistungssaatgut, Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel, Monokultur und intensive Bewässerung haben maßgeblich dazu beigetragen. Können wir diese Belastungen wieder ausgleichen?

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Der Boden platzt auf…

Urs: Der Boden ist die Basis unserer Lebensmittelproduktion, er filtert Regenwasser, reguliert das Klima, ist Heimat unzähliger Lebewesen und ein riesiger Kohlenstoffspeicher. Im Moment beklagen wir seine zum großen Teil schon weit fortgeschrittene Degradierung. Als Folge nimmt seine Fähigkeit, produktiv zu sein, stark ab. Der Schlüssel für eine gute Bodenstruktur und gesundes Pflanzenwachstum ist die Anzahl und Vielfalt der Organismen, die im Boden leben. Um ihre Lebensbedingungen zu verbessern, bedarf es vielfältiger Maßnahmen. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir dafür sorgen, dass möglichst immer eine lebende Wurzel im Boden wächst und sich der Humusanteil deutlich erhöht, was wiederum die Wasserspeicherfähigkeit vergrößert. Auch hilft der Einsatz von tief wurzelnden Pflanzen beim Bodenaufbau.

Stefanie: Der Verlust der Artenvielfalt ist ein grundsätzliches Problem der Landwirtschaft. Wasser als Lebensgrundlage für die Tiere und Pflanzen habt ihr schon angesprochen. Wie kann die Landwirtschaft hier am Tempelhof unterstützen?

Stef: Bezüglich des Wassers sollten wir uns Gedanken zum aktiven Wassermanagement machen, z.B. direkt im Haus durch Regenwasserrückhaltemöglichkeiten wie Zisternen für die Toilettenspülung. Außerdem müssen wir unseren Lebensraum, die Zusammenhänge zwischen Erde, Wasser, Wind und Wärme, holistisch, also ganzheitlich sehen. Bezüglich des Bodens hier am Tempelhof sind verschiedene Aktionen denkbar. Als gutes Beispiel dienen Hecken. Sie verringern, als Windstopper eingesetzt, die Verdunstung des Bodens, liefern Brenn- und Nutzholz, dienen als Brutplatz, sind Lebensraum, bieten Blüten, Früchte und Samen als Futter für die Tierwelt und tragen dadurch zur Belebung der Landschaft bei. Auch die Nutzung von Quellen, das Sammeln von ablaufendem Wasser – statt es direkt in die Kanalisation oder in den nächsten Bach zu führen – in Gräben und in Form von Teichen gehören in ein solches Gesamtbild. Sie erfüllen die Grundbedingungen der Permakultur: Sie speichern Energie (das Wasser), verändern positiv das Mikroklima, bilden Biotope, die auch für die Landwirtschaft von Vorteil sind. Das Wasser kann langsam in den Boden einsickern, es kann zur Bewässerung genutzt werden und sie erhöhen den Freizeitwert der Region für den Menschen.

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Permalandwirtschaft – mit Mulchhaltung und Arbeit im Team

Stefanie: Wie sehen unsere konkreten Maßnahmen zur Bodenerhaltung und -gesundung aus?

Urs: Wir Landwirte hier haben verschiedene Ziele. Zunächst wollen wir eine bessere Bodenstruktur und Steigerung des Humusgehaltes, der im Acker bei lediglich 1-4% liegt. Bewirtschafteter Boden enthält im Allgemeinen weniger organische Substanzen als Erde mit „natürlicher“ Vegetation. Erhöht man beispielsweise den Humusgehalt um einen Prozentpunkt, kann der Boden hier 16l/qm mehr Wasser speichern. Will man dies erreichen, sind strukturierende Maßnahmen denkbar wie Gräben und Dämme (Swales), Terrassen und Schwellen. Jedoch viel wichtiger ist es, den Boden so zu nutzen, dass er in der Lage ist, Humus aufzubauen. Dazu gibt es verschieden Werkzeuge, wie z.B. bodenschonende Bewirtschaftung, pfluglos oder mit Direktsaat, und ganz besonders der Misch- und Zwischenfruchtbau. Im Grünland wäre eine Tiefenlockerung und ein „Holistic Planet Grazing“ denkbar. Mulch- und Kompostwirtschaft mit Hackschnitzel, Grünschnitt und Bioabfällen kann langfristig ebenfalls zur Regeneration und Belebung der Böden beitragen.

Stef: Um auf lange Sicht den überdauernden Bewuchs zu sichern, haben wir den Getreideanbau zurückgefahren und konzentrieren uns auf Gründüngung und Zwischenfruchtbau. So stellen wir sicher, dass immer Pflanzen in einer optimalen Mischung wachsen, die den Boden mit z.B. Stickstoff und Phosphor nähren, Strukturschäden aufbrechen, das Bodenleben ernähren und für eine abwechslungsreiche Durchwurzelung sorgen.

Stefanie: Die Biolandwirtschaft verzichtet auf Mineraldünger. Wie machen wir das?

Stef: Ist das Bodenleben arm oder aus dem Gleichgewicht und der Humusgehalt des Boden gering, geraten Nährstoffe, vor allem der Stickstoff, in das Grundwasser und stehen den Pflanzen nicht mehr zur Verfügung. Der Mineraldünger versorgt zwar die Pflanze, übergeht aber die Organismen des Bodens, so dass diese absterben. Der Boden wird „unbelebt“. Die Folgen sind Pflanzen, die gegen Schädlingsbefall anfälliger sind sowie eine schwindende Bodenfruchtbarkeit.

Urs: Die ökologische Landwirtschaft funktioniert entweder mit „ökologischen“ Hilfsmitteln, also Dünge-, Spritzmittel und mechanischer Unkrautbekämpfung. Da arbeiten wir in einem konventionellen System mit im Biolandbau zugelassenen Mitteln. Oder wir arbeiten mit der Natur zusammen, dann allerdings ist die Bodenbiologie der Schlüssel zum Erfolg. Unsere Aufgabe ist es, Bedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, die Vielfalt der Arten und ihre Anzahl zu steigern. Dabei wirken Hilfsmittel und Technikeinsatz oft kontraproduktiv.

Stef: Grundsätzliche stelle ich die Frage: Wie viel Raum müssen wir der Natur wieder zurückgeben, damit alle überleben können? Oder anders herum: Wie können wir die natürliche Vielfalt in unsere landwirtschaftlichen Produktionssysteme zum Wohle aller integrieren?

Stefanie: Danke, Stef und Urs, für das informative Gespräch!

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Buch: 4000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan. F.H. Kung

Screen Shot 2014-12-30 at 08.05.36In seinem Buch „4000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan erzählt F.H. King lebendig von seinen Reiseerfahrungen Anfang des 20. Jahrhunderts in Japan, Korea und v.a. in China. Mit eindrucksvoller Genauigkeit erläutert er – als Professor der Agrarwissenschaften – wie es den Völkern dort über Jahrtausende gelang, trotz hoher Bevölkerungsdichte, relativ wenig Fläche und ohne viel Vieh, eine dauerhaft hohe Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Dies v.a. durch verschiedene, ausgeklügelte Methoden der Kompostwirtschaft, Mulch- und Mischwirtschaft, Gründüngung und Direktsaat. Ein grundlegendes Prinzip war dass die Nährstoffe, die der Bauern durch sein Gemüse in die Stadt brachte, auch wieder zurück kamen. So ging er – nicht nur bildlich gesehen – morgens mit seinen Trögen voll Gemüse in die Stadt, und kamen abends, auch mit vollen Trögen „Nährstoffen“, wieder zurück. Auch heute wird wohl noch in weiten Teilen Asiens auf diese Weise Ackerbau betrieben. Beeindruckend, mit welchem Wissen die Menschen dort mit dem Boden umgehen. Dies war jedoch auch immer schon Notwendigkeit gewesen, weil aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte sie sich sonst selbst den „Boden unter den Füssen weggezogen“ hätten. Ein eindrucksvolles Lehrbuch über den guten Umgang mit dem Boden.

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Doku: Holzhackschnitzel als Bodenaufbereiter und Bodenbedecker? Back to Eden.

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Gemeinhin sagt man, Holzgut sollte nicht im Gartenanbau verwendet werden, das es – als Kohlenstoff-reiches Material – bei der Kompostierung dem Boden Stickstoff entzieht. Jedoch: Es gibt einen Unterschied zwischen „in den Boden einarbeiten“ und „den Boden bedecken“. Gerade wenn das Holzhackschnitzelgut auch aus dünneren (und damit weniger Lignin-enthaltenen) Ästen und Laub besteht, kann das regelmässige Ausbringen auf den Garten (und den Acker) zu sehr gutem Erfolg führen. In der Doku „Back to Eden“ wird gezeigt wie erfolgreich damit die Bodenqualtät erhöht werden kann und die Düngungs- und Bewässerungsgaben reichlich reduziert oder sogar darauf ganz verzichtet werden können. Sehr interessant, wenn auch in der ganzen Länge etwas langatmig und dazu mit einem äusserst Bibel-festen Christen als Hauptprotagonisten. Aber die ersten 30 Minuten reichen auch um einen Eindruck davon zu kriegen wie erfolgsversprechend diese Methode ist.

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Buch: Humusaufbau. Chance für Landwirtschaft und Klima. Gerald Dunst

Screen Shot 2014-06-03 at 21.36.17Mir kommt es schon immer öfter so vor, als wenn wir in einer Zeit der Bewusstseinsveränderung leben. Ohne dabei arg ins Spirituelle gehen zu wollen, so fallen mir die grosse Anzahl an Gesellschafts-kritischen Dokumentationen und Büchern sehr auf. Auch beim sträflichst vernachlässigtem Thema Boden schiessen die Bücher nur so aus diesem. „Humusaufbau. Chance für Landwirtschaft und Klima“ von Gerald Dunst ist ein solches. Es ist weniger „wissenschaftlich“ oder „historisch“ wie andere Werke; dafür aber geschrieben von einem Praktiker, und zwar dem Praktiker schlechthin. Mitbegründer der Bewegung „Ökoregion Kaindorf“, von der hier auch schon die Rede war, Betreiber einer grossen Kompostfirma mit vielen langjährigen Versuchen auf landwirtschaftlichen Flächen. Gut geschrieben, anschaulich, verständlich, sachlich. Absolut empfehlenswert!

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Doku: Alarm auf dem Acker

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Über die Hälfte der deutschen Ackerfläche liegt vom Herbst bis ins Frühjahr karg und ungeschützt in der Landschaft, Wind und Regen ausgesetzt. Die Folge: Tonnenweise verschwindet fruchtbarer Boden. Wind- und Wassererosion haben schwerwiegende Folgen. Und da dieser Prozess meist jedoch nur in kleinen Schritten voran geht, bleibt er unserem (unwachsamen) Auge oft verborgen. Nur wenn in (Nord-)Deutschland Massenkarambolagen aufgrund eines Sandsturmes sind, wie er sonst nur aus der Sahara bekannt ist, wendet sich das Interesse kurzeitig diesem Thema. Dabei ist der Humus- und Bodenverlust eine der ganz, ganz grossen Themen (und zugleich Tragödien) unserer Zeit!

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Buch: Das Leben im Boden & Das Edaphon. Raoul H. Francé

Screen Shot 2013-12-29 at 20.12.58Raoul H. Francé gibt in seinem Doppelband Das Leben im Boden / Das Edaphon: Untersuchungen zur Ökologie der bodenbewohnenden Mikroorganismen einen faszinierenden Einblick in das reiche Leben im Boden. Zwar sind die Büchlein bald 100 Jahre alt; aber anscheinend ist das Wissen in dieser Zeit Wissenschaftlern und Bauern zugleich nicht zugänglich gewesen und seine Entdeckungen und Beschreibungen damit hochaktuell. Gerade der erste Teil besticht durch eine verständliche und zugleich fesselnde Beschreibung der Kleinen und Kleinsten im dunklen Erdreich. Der zweite Teil ist wissenschaftlich und detailreich, und damit einem nur eingeschränkten Publikum zu empfehlen.

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Der erste Biomeiler am Schloss Tempelhof

Biomeiler 4

Biomeiler 3

Biomeiler 2

Biomeiler 1

Nun steht er, der erste Biomeiler der Lebensgemeinschaft Schloss Tempelhof. Einen Tag Arbeit (ohne die Vorbereitungen zu zählen), und knapp 120 Kubikmeter Biomasse werden nun kompostiert. Die dabei entstehende Wärme wird in ein Gewächshaus in den Boden geleitet um dieses frostfrei zu halten. Im Frühjahr, wenn die Jungpflanzenanzucht ansteht, wird die Wärme dann auch genutzt ein zweites Gewächshaus zu heizen. Wir sind sehr gespannt wie es laufen wird.

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Buch: Humusspähre. Herwig Pommeresche

Screen Shot 2013-12-29 at 19.57.21Pflanzen benötigen zum Wachstum Ionen von v.a. Stickstoff, Kalium und Phosphor: Darauf basiert all unsere Ansätze des Düngens, welches auf den Entdeckungen von Justus von Liebig (und seiner Mineraltheorie) basieren. Dieser erfand daraufhin den Kunstdünger. Was über gute 170 Jahre als Wirklichkeit galt, stellt Herwig Pommeresche in seinem Buch „Humusspähre. Humus – Ein Stoff oder ein System?“ in Frage. Sein Postulat ist dass Pflanzen nicht (nur) „totstoffliche“ Ionen aufnehmen, sondern von lebendem Protoplasma sich ernähren. Dies zeigt er nicht nur anhand existierender wissenschaftlicher Literatur sondern auch anhand seiner eigenen Erfahrungen auf. Sein Ansatz in seinem Kleingarten klingt recht revolutionär, und könnte die Art und Weise wie wir über Pflanzenernährung denken wirklich komplett verändern. Sehr interessantes, absolut lesenswertes Buch, mit vielen Literaturtipps, an einigen Stellen sich allerdings oftmals wiederholend.

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Bodenaufbau von Oben nach Unten

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Wie Bodenaufbau auch statt finden kann wird hier bei Mark Shepard, „Restoration Agriculture„, sehr gut beschrieben. Es geht nicht nur darum den Boden von oben nach oben „aufzubauen“; man kann ihn auch nach unten hin aufbauen, wie er eindrücklich anhand eigener Erfahrungen beschreibt: Bodenaufbau nach unten.

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