zivilisation

Boden – und er schwindet doch, auch bei uns

Wow…. Vorige Tage mit meiner Tochter eine kleine Radtour gemacht. Fast überall waren deutliche Erosionsspuren auf den Äckern zu sehen. Aber dieser Erosionsgraben hier hat mich zutiefst schockiert. Solche ein Gully (der geographische Ausdruck dafür) kenne ich sonst nur aus der Literatur, und, in größerem Stile vor 20 Jahren aus der Luft in Madagaskar gesehen. Da kommt mir dann doch sofort wieder David Montgomery’s Blick zurück in die Geschichte in den Kopf: Dreck – oder die Erosion der Zivilisationen (der englische Untertitel).

Ähnlich gravierend die Titel zweier Veröffentlichungen (hier und hier):

Liebe Gesellschaft: Was machen wir da?!?!

Posted by Stefan in Artikel, Landwirtschaft, 0 comments

Buch: Growing a Revolution. David Montgomery

Screen Shot 2017-07-27 at 08.00.29David Montgomery, bekannt geworden durch sein Buch absolut lesenswertes Buch „Dreck. Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert„, welches in die landwirtschaftlich-zivilisatorischen Abgründe schaut, hat nun ein Werk publiziert – „Growing a Revolution“ (Amazon, Buch7) , welches aufzeigt dass ein Zusammenbruch auch unserer Zivilisation aufgrund von Bodenverlust nicht unbedingt passieren muss. Vom Saulus zum Paulus, oder eher vom Frustrierten zum positiv-in-die-Zukunft-Schauenden hat sich Montgomery in den letzten Jahren entwickelt. Auf verschiedenen Reisen v.a. in den USA, aber auch in Afrika, hat er Bauern besucht, die Landwirtschaft anders betreiben, weil sie das Problem Bodenerosion verstehen, weil sie den Boden als eine (Lebens)wichtige Ressource sehen, weil sie erkannt haben wie wichtig ein lebendiger Boden für ihre Kulturen sind, und sie sich viel Geld mit einem entsprechenden Umgang sparen können. Wirklich beeindruckend sind die Geschichten von Bauern, die ihre Humusanteile im Boden von unter 2% auf 6-8% erhöht haben, Wasserversickerungsraten damit geschafft haben, die sich keiner vorstellen kann, damit auch Trockenzeiten überstehen wo jeder konventionell wirtschaftende Nachbar neidisch rüber blickt, und dabei Hunderttausende von Dollar spart. Absolut lesenswert, wenn man verstehen will wie eine andere, zukunftsfähigere Form der Landwirtschaft (»Bodenberarbeitung«) aussehen kann.

Posted by Stefan in Bücher, Klimaveränderung, Landwirtschaft, Natur, Tiere, 0 comments

Doku: Die Suche nach dem Garten Eden

Screen Shot 2017-01-20 at 10.49.18wtmkwtmk

Wie viele Geschichten aus der Bibel, ist die Erzählung vom Garten Eden vermutlich “ausgeliehen” – ein Plagiat, wenn man so will – von Völkern, die woanders lebten. Das Wort “Eden” stammt nicht aus dem hebräischen, was hierzu einen Hinweis liefert. Für die Sumerer, als erste Zivlisation in Mesopotamien, bedeutete das Wort Eden soviel wie “Eine Gras- oder Steppenlandschaft in der die Menschen nicht sesshaft sind und die Tiere wild leben”. Die Sumerer verwendeten den Begriff für nicht-kultivierte Gebiete ausserhalb ihres Territoriums; mit anderen Worten, Gegenden wo nicht der Mensch herrschte, sondern Gott (oder die Natur).
Das Gilgamesh-Epos erzählt die Geschichte von Gilgamesh, König von Urug, war zu 2/3 Gott und zu 1/3 Mensch, und damit sterblich. Er machte sich auf die Suche nach dem Geheimnis der Unsterblichkeit. Auf seiner Suche begegnet G. verschiedenen Personen, die ihm erzählen wie der Mensch entstand. Laut den Sumerern wurde der Mann aus Lehm geschaffen – der Lehm der Flussufer war allgegenwertig, lebenswichtig und fruchtbar. Den Rest der Geschichte kennen wir… Bei den Sumerern wird Eden als der Ort Dilmun gennant (“Leben ohne Sorge”). Und, wie bei Eden, führt eine Flut zur Zerstörung des Paradies.
Was den Garten Eden oder Dilmun angeht: Hinweise aus der Bibel legen nahe, dass sich der Ort im Süden des Iraqs befindet, am Zusammenfluss von vier Flüssen. Erst die Recherche mit Hilfe von Satellitenbilder gab den Hinweis für den dritten und vierten Fluss. Einer davon ist vor ~5000 v.Chr. langsam ausgetrocknet, nach dem Schwinden des Eises, was wiederum ein wichtiger Hinweis zur Entstehungsgeschichte ist! Der Persischer Golf war damals ausgetrocknet. Der Monsoon, heute nur die Südspitze der Arabischen Insel erreichend, versorgte ganz Arabien mit Feuchtigkeit. Der Fluss Pishon, heute nur auf Satellitenbildern von Saudi-Arabien nach Basra fliessend zu erkennen, war fruchtbar und grün. Eine Steppe mit Oasen, Tiere, Pflanzen – das Paradies.
Die Geschichte ist nicht die Entstehung der ersten Menschen, sondern der Entstehung der menschlichen Gesellschaft – dem Zeitpunkt als wir aufhörten Jäger und Sammler zu sein und Landwirtschaft zu betreiben. Eden = Heimat der prähistorischen Jäger & Sammler. Durch die Klimaveränderung wurde dieser fruchtbare Landstrich von den Fluten des Meeres überschwemmt. Die Fluten zwangen die Menschen nach Norden zu flüchten, in die unwirtschaftlichen Gebiete Mesopotamiens. Das Leben dort war nicht einfach, es zwang sie Pflanzen anzubauen, die ersten Techniken für den Ackerbau zu entwickeln. Technologische Entwicklungen sind nicht rückgängig zu machen – eine der ersten permanenten Veränderungen. Die Geschichte von Eden ist eine Klage über diese Entwicklungen. Die Manipulation der Natur, eine erhöhte Produktivität, Züchtung von Tieren – gleicht dem Essen des Baumes der Erkenntnis, ein Sicher-über-Gott-Stellen, eine Sünde.

Posted by Stefan in Doku, Garten, Gemeinsam Leben, Landwirtschaft, 1 comment

Buch: Beyond Civilization. Humanity’s Next Great Adventure. Daniel Quinn

Screen Shot 2015-10-07 at 09.58.38Nach seiner Trilogie (Ishmael, My Ishmael, The Story of B.) legt Daniel Quinn mit seinem Büchlein „Beyond Civilization“ (noch mal) klar, wo das grundsätzliche Problem unserer Zivilisation liegt, und vor allen Dingen, wie eine Veränderung statt finden könnte, und wohin diese sich entwickeln könnte. Interessant ist der Ansatz auf jeder Seite eine deutliche, klare Überschrift zu haben, die dann in den folgenden Absätzen geklärt und behandelt wird. Leben als Stamm, flache Hierarchien, Visionen statt Programme, zusammen arbeiten, usf…. Zwar gibt auch dieses Werk keine wirkliche Antwort den Suchenden, die sich ein Bild davon machen wollen, wie die Zukunft aussehen könnte. Aber wie schreibt er doch: Da wir eine andere Vision brauchen um zukünftig besser leben zu können, sind es nicht jene mit den alten Visionen, die die Zukunft voraussagen können. Täten wir es, wäre dort keine neue Vision. Mit den alten Visionen, können wir auch nur alte Bilder in die Zukunft projizieren. Mit neuen Visionen wird die Zukunft so anders sein, dass wir uns dies – mit unseren alten Visionen – nicht hätten ausmalen können.

Posted by Stefan in Bau, Gemeinsam Leben, Konsum, Landwirtschaft, Natur, Soziale Permakultur, Technik, Wirtschaft, Wohnen, 0 comments

Buch: Der geplünderte Planet: Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen. Ugo Bardi

Screen Shot 2014-11-09 at 08.56.16Wie eng sind die Entwicklung der Zivilisation und der Bergbau miteinander verbunden? Und: Wie sind eigentlich die ganzen Mineralien die wir abbauen entstanden? In seinem Buch Der geplünderte Planet: Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen erklärt Ugo Bardi die lange Geschichte der mineralischen Ressourcen, von ihrer Entstehung, zur ersten Nutzung, und zur Plünderung im ganz grossen Stile der heutigen Zeit. Interessant zu lesen, wie eng z.B. Münzen und Krieg miteinander verbunden sind. Und wie eng Veränderungen in der Welt mit der Macht über Rohstoffe zusammen hingen. Und auch, warum wohl nie mehr im Leben unserer Erde Erdöl oder Kohle produziert werden wird.

Posted by Stefan in Bücher, Konsum, Landwirtschaft, Natur, Wirtschaft, 0 comments

Buch: Dreck: Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert. David Montgomery

Screen Shot 2014-09-29 at 20.32.28Ich muss sagen: Ich habe selten so ein wertvolles Buch gelesen. Ich bin so beeindruckt, dass ich der Meinung bin dass dieses Buch – Dreck: Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert“ von David Montgomery, zumindest in einer stark gekürzten Version, alle Menschen v.a. in der von industrieller Landwirtschaft geprägten „Zivilisation“ lesen sollten. Seit Anbeginn der Landwirtschaft behandeln wir den Boden wie ein Abfallprodukt, eben wie Dreck. Bei den Amis heisst Erde, Boden ja meist auch eher abfällig „Dirt“ (so auch der Originaltitel). Die Landwirtschaft führte so ziemlich von Anfang an dazu, dass wir dauernd den Boden stören, ihn über Monate blank liegen lassen und damit den Wetterunbilden frei aussetzen, was zur Folge hat dass Wind und Regen ihn wegwehen und wegwaschen. Dies führt zu Erosionsraten die im Durchschnitt 10-20, aber oft auch 200-fach über den Bodenneubildungsraten liegen. Die Erosion der Zivilisationen – von den Mesopotamiern, über die Römer, hin zu den Maya und den frühen Neu-Amerikanern – hängt nach Montgomery stark mit der Erosion des Bodens zusammen. Mit vielen Zitaten aus Werken der vergangenen 2500 Jahre erklärt er wie vorher fruchtvolles Land in wenigen Jahrzehnten bis Jahrhunderten ausgezehrt, verarmt und fast zu Halbwüsten verarmt, verkommen. Ein deutliches Warnzeichen an uns und unsere Zivilisation, welches wir uns zu Herzen nehmen sollten.

Posted by Stefan in Bücher, Landwirtschaft, Natur, Wirtschaft, 0 comments