• Wenn nicht Glyphosat, was dann? Haben unsere Landwirte überhaupt Alternativen, jetzt?

    Tja, da stehen wir nun erst einmal dumm da. Wir, die wir alle gegen das bewußte Ausbringen von Giften in der Umwelt sind. Die Glyphosat-Geschichte geht also weiter. Ein schwarzer Tag? Ja, könnte sein. Oder aber auch nicht. Ich sehe da jedenfalls viele Grautöne. Kurz zusammen gefasst: Was hätten die Bauern morgen gemacht, wenn sie nicht mehr Glyphosat hätten spritzen dürfen? Wären sie von heute auf morgen zu Ökobauern konvertiert? Wohl nicht, da sind wir uns sicher einig. Sie hätten andere Gifte verwendet, die weniger gut untersucht sind, größtenteils wohl auch giftiger, wie das alte neue Mittel, was Monsanto gerade wieder auf den Markt bringt, Dicamba. Die Bauern hätten verschiedene Mittel gemischt, dessen Wirkungen in jeglicher Hinsicht (Gesundheit, Umwelt) völlig unklar wären. Oder, die andere Alternative: Verstärkt wieder eine mechanische Unkrautbekämpfung per Pflug, was wiederum auf andere Art den Boden verschlechtert und zerstört.

    Also: Die Chance die sich jetzt bietet heißt: Wir haben vier, fünf Jahre Zeit, eine echte Alternative im Anbausystem zu entwickeln, die es den Bauern ermöglicht (möglichst komplett) ohne Giftstoffe in einem (er)drückenden System zu produzieren und dabei wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Alternative im Anbausystem? Naja, eigentlich ein völliges Umdenken, ein Paradigmenwechsel im (stark vernetzten) Bereich »Boden, Bodenleben, Bodenbearbeitung, Pflanzengesundheit, Pflanzenvielfalt«. Das ist die große – eben nicht nur technische, sondern kulturelle – Herausforderung. Es braucht eine deutliche Veränderung in der Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, und da hilft es erst einmal auch nicht, wenn ein Gift verboten wird oder nicht. Die Unkräuter sind ein Symptom, was zurzeit leider als Ursache angesehen wird. Die liegt aber noch einmal woanders, unten drunter quasi. Im Boden. Und auch im System. Es gibt eine wachsende Zahl von konventionellen Landwirten, die anders denken, und es anders machen. Und damit zunehmend erfolgreich sind. In dem sie ihre Sicht, ihre Einstellung auf den Boden geändert haben, erkannt haben wie wichtig das Bodenleben und darüber ein gesunder, belebter, poröser, humusreicher Boden für das Wachstum und die Gesundheit der Pflanze ist, ihre Bearbeitungs- und Anbauverfahren entsprechend geändert haben, brauchen sie von Jahr zu Jahr weniger von dem »bösen Gebräu«. Das erscheint mir als ein sinnvoller, vielversprechender, Mut machender Ansatz; diesen Bauern danke ich für ihren (neuen) Weg.

    Michael Reber zum Beispiel ist so einer. Hier und hier schreibt er in seinem Blog über seine Sicht auf die Dinge. Absolut lesenswert, gerade für uns Nicht-Praktiker.

    Und auch ein interessanter Artikel in der Süddeutschen dazu.

    Posted on Dezember 1, 2017

One Responseso far.

  1. Danke für das Lob! Ich habe halt irgendwann angefangen, wieder selbst zu denken. Danke aber auch für das Verständnis, dass es keine Vollbremsung geben kann. Wenn möglichst viele Bäuerinnen und Bauern mitgenommen werden sollen, dann muss es eine Übergangszeit geben. Ich bin aber auch dafür, dass dann klar sein muss, wann Ende ist. Für mich in Sachen Glyphosat schon lange. Aber das dauert, bis es wieder in die Köpfe kommt, dass es auch anders geht!
    Gruß Michael

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