• Das neue Agrarpaket

    Wow, erst einmal beeindruckend was da die Ministerinnen aus Umwelt, Landwirtschaft und Bildung (Svenja Schulze, Julia Klöckner, Anja Karliczek) beschlossen haben: Das neue Agrarpaket mit Aktionsprogramm zu Insektenschutz, Tierwohlkennzeichnung und Änderungen des Direktzahlungen-Durchführungsgesetzes. Besonders herausstechend, weil so viel Diskussion und Mediengerummel seit zwei Jahren, natürlich die Entscheidung zu Glyphosat:

    • Ein Glyphosat-Verbot ab 2023.
    • Strengere Vorgaben und Kontrollen für alle (anderen) Herbizide
    • Einen Mindestabstand zu Gewässern von 10 Metern bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln.
    • Einen Abstand von 5 Metern, wenn die Abstandsfläche dauerhaft begrünt ist.
    • Verbot ab 2021 für die Anwendung von Herbiziden und biodiversitätsschädigenden Insektiziden in Schutzgebieten.

    Meiner Meinung nach ist das ein wichtiger Schritt hin in eine naturverträglichere Landwirtschaft. Ob Glyphosat nur wirklich »das böse Gift« ist oder nicht, oder eher nur das schwarze Schaf, was zum Schafott geführt wird… Um unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen (Wasser, Boden, Biodiversität, Luft…) braucht es diese gesetzlichen Schritte, da die Landwirtschaft – stark durch die Industrie geprägt – sich kaum alleine in diese Richtung bewegen wird. Dass Herbizide und Insektizide in Schutzgebieten überhaupt benutzt werden dürfen – da kann ich nur den Kopf schütteln vor Unverständnis. Und ja, die Bauern bzw. der Bauernverband weiss seit einigen Jahren, dass diese Schritte auf sie zukommen werden. Nach Jahren der »Optimierung«, des Verschwindens von Ackerrändern, von großflächigem Glyphosateinsatz, dominierenden Maiskulturen, weiterhin problematischen Grundwasserbelastungen, usw. sollte sich keiner der in diesem Bereich Beschäftigten wundern, dass diese Schritte nun erfolgen. Was hat der Bauernverband getan, um seine Mitglieder auf ein bevorstehendes Glyphosatverbot vorzubereiten? Wie aktiv haben sie nach Bauern gesucht, die ohne oder zumindest mit stark reduzierten Mengen an für die Mitwelt schädlichen Stoffen zurecht kommen? Ich habe nicht mitbekommen, dass dieses Wissen gesammelt und allen Bauern zur Verfügung gestellt wurde, um von »Best Practices« und voneinander zu lernen.

    Und dennoch: Die Bauern können mit diesen Regelungen nicht alleine gelassen werden. Es braucht eine gesellschaftliche Unterstützung – mehr Geld für ökologisch(er) ausgerichtete landwirtschaftliche Forschung; für mehr Aus-/Weiterbildungsmaßnahmen, bei denen Landwirte von anderen Praktikern, die neue Wege gehen, lernen können; Konsumenten, die bereit sind mehr zu zahlen für »ökologischere« Produkte; einen Handel, der diese Veränderungen honoriert und nicht immer weiter den Preis drückt; Bauern, die finanziell vom Staat unterstützt werden (immerhin, es gibt 75-100 Millionen für das Insektenschutzprogramm); eine Entlastung der Bauern was die bürokratischen Verpflichtungen angeht; …(Ein interessantes Papier – 11 Punkte für einen gemeinsamen Weg zu mehr Biodiversität im Ackerbau – erarbeitet von Bauern und Umweltschützern, gibt es hier.)

    Posted on September 10, 2019

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