• Terra Preta keine Wundererde?

    Hier ein sehr interessantes Interview mit Almuth Ernsting, Sprecherin der NGO Biofuelwatch, www.biofuelwatch.org.uk. Aus: Lebendige Erde 3/2012.

    Ich selbst bin kein grosser Anhänger des Terra Preta-Hypes, da meiner Meinung nach (mal wieder) mit Scheuklappen vor den Augen und sehr unsystemisch gedacht wird. Die existierenden Beispiele aus dem Amazon sind Ergebnisse komplexer Vorgänge, welche bei uns („westliche Zivilisation“) auf ein einziges Element reduziert werden. Schon möglich dass „Biokohle“ (Was ist das denn eigentlich für ein Begriff? Das wäre ja so als wenn wir „Bio-Holz“ sagen würden. Kohle an sich ist ja wohl per se ein „biologisches“ Produkt.) vorteilhaft für den Boden sein kann. Aber eben – ganz so einfach wie manche das einem glaubhaft machen wollen ist die Lage nicht. Hier also das Interview:

    Ist Terra Preta eine Lösung fur Klima und Landwirtschaft?

    Was in Deutschland als Terra Preta gepriesen wird, ist moderne Biokohle, die mit der wirklichen Terra Preta in Amazonien wenig gemein hat. Terra Preta wurde in einem jahrhunderte-langen Prozess durch nur teilweise bekannte indigene agro-ökologische Methoden geschaffen. Dabei wurden unter anderem viele unterschiedliche organische Abfälle, Kompost, Tierknochen, Fluss-Sedimente, Tonscherben und auch Holzkohle dem Boden hinzugefügt. Eine einzelne Zutat, die Pflanzenkohle, zumal industriell gewonnen, hervorzuheben, mag für Unternehmen oder Politiker auf der Suche nach einfachen Mitteln gegen den Klimawandel attraktiv sein. Aber: moderne Eden mit Pflanzenkohle-Zusätzen ähneln laut aktueller Datenlage der Terra Preta nicht einmal im Entferntesten. Die Amazonasindianer haben schon gar nicht Mischungen von Pflanzenkohle mit Dünger oder mit „Effektiven Mikroorganismen“ hergestellt, wie es hierzulande propagiert wird.

    Ist denn überhaupt was dran?

    Lediglich elf von Fachleuten geprüfte Feldversuche mit Pflanzenkohle sind veröffentlicht, aber mit sehr unterschiedlichen und nur kurzfristigen Ergebnissen bezüglich der Bodenfruchtbarkeit: Verbesserungen, Verschlechterungen oder auch keine Veränderungen. Sie zeigen, dass Pflanzenkohle den Kohlenstoffgehalt im Boden nicht zuverlässig erhöht. In Kolumbien war in einigen Bereichen bereits ein Jahr nach der Einbringung grosser Mengen Pflanzenkohle der Kohlenstoffgehalt niedriger als dort, wo keine Pflanzenkohle eingebracht worden war. Im November 2011 haben 14 Bodenkundler aus 12 Forschungsorganisationen in der Zeitschrift „Nature“ aufgrund einer Auswertung aller Studien empfohlen, optimistische Einschatzungen der Pflanzenkohle zu revidieren. Die Studie zeigt, dass die Idee, bestimmte Formen des Kohlenstoffs im Boden, vor allem der Kohlenstoff in Biokohle, seien „inhärent stabil“ falsch ist. Wie lange Kohlenstoff im Boden verbleibt, hängt vor allem von den ökologischen Bedingungen des Bodens ab und scheinbar ‚labiler‘ Kohlenstoff aus Pflanzenresten kann durchaus viel länger im Boden verbleiben als angeblich „stabile“ Biokohle.
    Zudem würde eine steigende Nachfrage nach Pflanzenkohle Land und Wälder unter noch grösseren Druck setzen.

    Wie erklären Sie sich dann den enormen Boom und die üppige Forschungsförderung?

    Biokohle wird zunehmend als Teil der „ökologischen Landwirtschaft“ gepriesen, in Deutschland zum Beispiel von den Firmen Palaterra und Tria Terra. Dabei kommt der Hauptbestandteil von Tria Terra’s sogenannter „Terra Preta“ aus einer Anlage des kontroversen Gross-Labormediziners Bernd Schottorfs in Rumänien. Im internationalen Zusammenhang setzt sich die Bio-Kohle-Lobby für massive staatliche Unterstützungen ein, sowohl für Subventionen als auch für CO2-Kredite. Vor allem Konzerne, die Ölsand abbauen, allen voran Conoco Philips, unterstützen Kohlenstoffkredite für Biokohle und erhoffen sich, dadurch ihre zerstörerischen Aktivitäten zu legitimieren. Die grösste Gefahr geht wohl derzeit von Falschinformationen über Pflanzenkohle aus, mit fehlgeleiteten Hoffnungen in unbewiesene und womöglich schädliche Technik“lösungen“.

    Posted on Dezember 30, 2012

5 Responsesso far.

  1. Frank Strie sagt:

    So ein alter Zopf von 2012 – Biofuel Watch negative all the way over and over again, year after year …

    Wie wäre es mit dieser Quelle an guter Information?
    Jetzt in November 2014 kann man sich hier bestens (in English) belesen:
    http://www.biochar-journal.org/en

    http://www.biochar-journal.org/en/ct/32-How-Biochar-Works-in-Soil

  2. Max sagt:

    Hi habe nicht direkt Terra Preta probiert sondern ein marken produkt eines startups… nein ich nene keine namen denn ich will kein produkt anpreisen. Ich Arbeite in einem Großen Gartencenter (Viele Filialen) und wir haben den selbst test mit dem Produkt gemach.
    Der Versuchsaufbau war folgender:
    1. Hochbeet mit getrenten bereichen für normale Erde und dem besagten produkt.
    2. Die Erde wurde mit Bio-Dünger gedüngt das Terra Preta produkt nicht.
    3. Es wurden Verschiedene Pflanzen (Paprika, Jasmin und mehr) eingesetzt. Wir haben darauf geachtet das die Pflanzen gleich groß/kräftig waren

    Fazit: die Pflanzen im TP-Produkt waren erstmal kleiner (ca. die hälfte) hatten aber doppelt so viele fruchtansätze. die Wurzeln (beim auflösen des Beetes im Herbst wegen umbau) waren nicht nur 1/3 größer sondern auch mehr gestreut. Es gab viele kleine Wurzeln die sich den weg zu den nerstoffen suchen mussten weshalb die pflanze auch erst kleiner bleibt aber nach ca. 6 Wochen überholen sie die Pfalnzen in der Normalen Erde.

    Persönlich: Ich finde grundsätzlich „Bio-Kohle“ anzubieten auch für sinnfrei. Aber das ist ja auch nicht was diese Erde aus macht! Es sind die Microorganismen die unter ausschluss von luft der erde zugeführt werden (Anarobe Bakterien) und Bio masse, (im Amazonas sind das z.B. Blätter die auf die Erde fallen) Blätter oder auch Biodünger in Humus umwandeln. Zumal verbreiten sich die Baktereien auch in Alter erde und machen diese wieder „Frisch“.

  3. Peter sagt:

    Was Vergleiche zwischen „Terra preta“ und anderer Erde schwierig macht, ist das oft nicht genau geschrieben wird, mit welcher Erde die Terra preta verglichen wurde und was die jeweilige Terra preta genau enthielt (z. B. Wie groß ist der Kohleanteil? Welche Materialien wurden bei welcher Temperatur verkohlt? Wurden dem „Terra preta“-Substrat zusätzlich noch Dünger, andere Stoffe und/oder Mikroorgansimen zugesetzt? Falls ja, welche genau u. in welchen Mengen?).

    Klar, wenn man z. B. die Erntemengen auf einem im Handel erhältlichen „Terra preta“-Substrat mit den Erntemengen auf einem armen mitteleuropäischen Sandboden vergleicht, dann wird das „Terra preta“-Substrat wahrscheinlich besser abschneiden.

    Aber bei einem Vergleich von „Terra preta“-Substrat mit sehr fruchtbaren europäischen Schwarzerde-Böden (Tschernosemen) oder fruchtbaren Braunerde-Böden (z. B. auch humus- und/oder kalkreiche Braunerden) oder Parabraunerde-Böden (besonderes Braunerde- u. Parabraunerde-Böden auf Löss) werden „Terra preta“-Substrate wahrscheinlich schlechter abschneiden. Denn die dort enthaltene Kohle bindet ja viele Mineralien (z. B. Nährmineralien o. Schwermetalle) relativ fest an sich.

    Was auch selten erwähnt wird: Bei unvollständiger Verbrennung (z. B. Pyrolyse), also auch bei der Verkohlung von Pflanzen, können gesundheits- u. umweltschädliche Schadstoffe wie Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Polychlorierte Dibenzodioxine u. Dibenzofurane („Dioxine“) und Teer entstehen.
    Hier in Deutschland werden Produkte in Handel ja meist relativ gut auf Schadstoffe überprüft (wobei es auch Lücken gibt, so wurden in Deutschland z. B. mehrfach in Grillkohlen, die in den Handel u. gelangt waren u. auch verkauft wurden, im Nachhinein PAK gefunden).
    Bei Produkten aus Ländern, in denen die Standards niedriger liegen, ist eine Schadstoffbelastung noch wahrscheinlicher.

    Außerdem: Wer garantiert, dass für die Gewinnung der Pflanzenkohle für „Terra preta“-Substrate nicht (Ur-)Wälder abgeholzt werden?
    Es werden ja z. B. in EU-Ländern wie Rumänien Urwälder abgeholzt, um daraus Grillkohle herzustellen, die dann z. B. nach Mitteleuropa exportiert wird.

    Am Ende kommen Unternehmen vielleicht noch auf die Idee, Wälder abzuholzen, daraus Pflanzenkohle zu machen, und weil der Kohlenstoff in der Pflanzenkohle ja angeblich sehr lange gebunden werden würde, dafür Gelder für „Klimaschutzmaßnahmen“ zu kassieren (z. B. aus staatlichen Förderungen bzw. durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten)!
    Das wäre dann aber das Gegenteil von Klima- u. Umweltschutz. Denn lebende Wälder binden ja CO2 aus der Luft und bieten vielen bedrohten Arten einen Lebensraum.

    Wurde die Behauptung, dass in der Pflanzenkohle, welche sich im Boden befindet, der Kohlenstoff viele Jahrtausende o. Jahrhunderte lang gebunden würde, eigentlich schon einmal wissenschaftlich in verschiedenen Bodentypen u. in Regionen mit unterschiedlichem Klima untersucht?

    Wenn man draußen einen Boden hat, wo sich in der obersten Schicht viele Pflanzenkohle-Stückchen o. Staubteilchen befinden, was passiert dann, wenn irgendwo ein Feuer ausbricht?
    Man stelle sich das z. B. mal auf einem trockenen Acker vor. Kohle wirkt ja im Allgemeinen brandfördernd.
    Die Frage ist, wie hoch der Pflanzenkohle-Anteil im Boden sein darf u. wie groß o. klein die Pflanzenkohle-Partikel sein müssen, damit dieser brandfördernde Effekt nicht auftritt oder sehr klein ist.
    Kein Bauer möchte ja, dass seine Felder großflächig abbrennen.

    • Hexlein66 sagt:

      Dem ist nichts hinzuzufügen.
      Es ist aber Mode, immer ein Bohei um angeblich gesunde oder bessere Produkte zu machen (siehe Superfood). Letztendlich ist das alles Marketing.
      Ob etwas wirklich sinnvoll ist, sollte wirklich genau und emotionsungeladen untersucht werden.

  4. Lance sagt:

    Die aktuelle Forschungslage sieht aber bei weitem anders aus als hier propagiert: Gebt mal Prof. Glaser ein. Dieser forscht auf diesem Gebiet und bei Youtube gibt es eine super Zusammenfassung über den aktuellen Stand der Forschung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.